Oberbürgermeister appellieren an die Vernunft: Derby Preußen gegen VfL weiter gefährdet


Münster

Münster. Emotionen ja, Gewalt nein: Es ist eine klare Botschaft, die da vor dem Derby von Verantwortlichen und Repräsentanten ausgesendet wird. Der Westfälische Frieden auf die Neuzeit getrimmt: Vor dem Drittliga-Nachbarschaftsduell zwischen den Fußball-Teams von Preußen und VfL Osnabrück am kommenden Samstag (13.30 Uhr) wurde beim Treffen der Oberbürgermeister, Vereinspräsidenten und Fanbeauftragten an die Vernunft aller appelliert, damit sich solche Vorfälle wie beim Hinspiel am 10. September 2011 nicht wiederholen.

Die Stadtoberhäupter tragen bei diesem Termin die Schals ihrer Clubs. Nicht nur beim Treffen mit Medienvertretern im warmen VIP-Raum des Preußen-Stadions, sondern auch auf dem Rasen, wo sie sich den Fotografen stellen. Boris Pistorius trägt Lila-Weiß wie schon seit vielen Jahren als Vereinsmitglied und Dauerkarteninhaber auf der Nordtribüne. Kollege Markus Lewe hat das schwarz-weiß-grüne Tuch umgeworfen – ebenfalls nicht als PR-Gag, denn der erste Manns ist leidenschaftlicher Preußen-Gänger.

Auf der Pressekonferenz sitzen Pistorius, der die Idee für dieses Zusammentreffen hatte, und Lewe einträchtig beieinander. Das wird auch am Samstag so sein, Osnabrücks OB hat jedenfalls die Einladung seines Amtskollegen angenommen. „Das wird mich aber nicht daran hindern, dem VfL die Daumen zu drücken“, sagt Pistorius schmunzelnd.

Den 10. September 2011 mit den 33 Sprengstoff-Verletzten und schwerer Randale haben beide Oberbürgermeister nicht vergessen. Sie wollen mit dem Meeting ein Zeichen setzen. „Wir sind beide leidenschaftliche Anhänger unserer Vereine und waren seinerzeit sehr entsetzt über die Vorfälle. Wir wünschen uns bei aller Rivalität eine gute Stimmung und hoffen, dass alles friedlich und gewaltfrei bleibt“, sagt Pistorius. Wie er weiß auch Lewe um den besonderen Reiz der Partie: „Ein Derby wäre nicht ein Derby, gäbe es nicht die besondere Rivalität. Aber das darf nicht als Freibrief für Feindseligkeiten verstanden werden.“

VfL-Präsident Gert Lehker fordert Anhänger beider Vereine auf, es gar nicht erst mit Pyrotechnik oder Bengalos zu versuchen, und wünscht sich: „Es müsste doch möglich sein, dass Eltern mit ihren Kindern auch ein Derby angstfrei besuchen können.“ Kollege Marco de Angelis ist da zuversichtlich: „Auch wenn die Vorfälle vom Hinspiel ein schlechtes Bild auf den Verein geworfen und uns überdies finanziellen Schaden zugefügt haben, hat sich die Situation verbessert. Preußen-Fans waren seither nicht mehr an negativen Ereignissen beteiligt.“ Was auchs Fanbeauftragter Holger Wissing registriert hat, der wie VfL-Pendant Andreas Zimmermann der Meinung ist: „Wir kommen gut miteinander aus und werden alles dafür tun, dass es friedlich abläuft.“

Darin sind sie im Westfälischen geübt – spätestens seitdem es im Herbst zum nicht minder brisanten Duell mit Arminia Bielefeld kam. Nach Informationen unserer Zeitung waren an jenem 12. November knapp 1000 Ordnungskräfte (Polizei, Sicherheitsdienste) im Einsatz. Diese Größenordnung dürfte am Samstag erneut erreicht werden. Dabei müssen sich nicht nur die VfL-Fans, die mit der Bahn anreisen, auf Leibesvisitation einstellen. Generell gilt in den Derbyzügen ein Verbot für das Mitführen von Glasflaschen und Pyrotechnik.

Doch die entscheidende Frage ist: Kann überhaupt gespielt werden? Zumindest am Dienstag wäre eine Durchführung unmöglich gewesen. Die Platzkommission will am Mittwoch um 12 Uhr die Situation ausloten, vermutlich wird die Entscheidung aber vertagt. Aus Sicherheitsaspekten käme den maßgeblichen Stellen eine Durchführung am Samstag gelegen – Preußen gegen den VfL an einem Wochentag als Abendspiel ist nicht erwünscht.

(Alfons Batke)
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